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Sonntag, 5.9.2004
"Meine Südstadt heißt Weindorfer"


Im Vorjahr stellte Sportdirektor Stan Franker die Weichen für die Umstrukturierung im ÖTV-Leistungszentrum Südstadt, ein Jahr danach ist Zeit für Kurskorrekturen. Neue Spieler werden aufgenommen, einige ersetzt, eine weitere Trainingsgruppe installiert. tennisweb.at durchleuchtet in der Serie "Die Südstadt Saga" das "neue" Leistungszentrum Südstadt. Teil 8 widmet sich jenem Spieler, der vom ersten Südstadt-Jahr der Ära Franker wohl am meisten profitiert hat: Rainer Eitzinger, 21-jähriger Tiroler, heuer schon zweifacher Future-Sieger, ab nächster Woche mit neuem Top-Ranking rund um 480, Tendenz weiter stark steigend. tennisweb.at hat ihn über seine jüngsten Erfolge befragt - und über seinen weiteren Weg, den er ohne seine Teamkameraden gehen muss.

Rainer, zunächst Gratulation zum Future-Sieg von Zilina, der ja nicht auf ganz herkömmliche Weise zustande gekommen ist - man hat gehört, du hattest einige Probleme?
So schlimm war es nicht. Am Anfang war ich verkühlt, hatte Fieber und Halsweh, und vor dem Finale ist mir die Hornhaut am Fuß aufgebrochen. Ich hab mir Sorgen gemacht deswegen, aber es hat mich dann überhaupt nicht behindert.

Du hast vor dem Turnier acht Tage Urlaub gemacht - ist das die ideale Vorbereitung?
Naja, in dem Fall vielleicht schon. Ich habe acht Tage keinen Schläger in der Hand gehabt und vor Zilina nur dreimal Tennis gespielt, dabei keinen einzigen Trainingssatz gewonnen. Aber es war sowieso nur als Vorbereitungsturnier geplant, und ich bin dann nach dem Urlaub auch sehr locker an die Sache gegangen. Gespielt hab ich zwar bis aufs Finale nicht gut, aber ich hab cleverer gespielt als meine Gegner. Zum Beispiel der in der ersten Runde, der hat nicht gemerkt, dass ich krank bin und hat versucht, die Ballwechsel kurz zu halten. Mir war's recht ...

Vor dem Urlaub ist es ja nicht so gut gelaufen. Wieso das?
Würd' ich nicht so sagen. Es hat schon eine Lücke gegeben, da hab ich Probleme mit der Schulter gehabt, weil meine Sehnen zu lang sind ist das Gelenk ein bisschen instabil, aber abgesehen davon war's gut. In Graz hab ich den Ketola geschlagen, der hat sich jetzt für die US Open qualifiziert und den Morrison geschlagen, das ist kein Niemand, gegen den muss man erst gewinnen.

Du hast dich seit Jahresbeginn um mehr als 300 Plätze verbessert, wirst nächste Woche um Platz 480 gereiht sein - so gut wie noch nie. Was ist abgesehen vom Ranking besser geworden?
Ich bin vor allem reifer geworden, was die Einstellung angeht. Bevor ich in die Südstadt gekommen bin, war ich ziemlich green. Aber ich hab gewusst: Die Südstadt ist meine Chance, da muss ich ein, zwei Jahre reinbeißen, muss die Möglichkeiten nützen, wirklich professionell zu arbeiten. Wenn ich das nicht konsequent versuche, dann würd' ich mir vielleicht später vorwerfen, nicht alles versucht zu haben.

Und spielerisch?
Die Vorhand ist viel besser geworden. Ich kann sie jetzt auch offensiv einsetzen, das war früher unmöglich. Das ist der größte Sprung. Sonst ist alles gleichmäßig besser geworden. Beim Aufschlag ist am wenigsten weiter gegangen, aber das lag an der Schulter. Ich weiß, dass ich überall noch viel Potenzial hab. So gut, wie es sein kann, ist das alles noch nicht. Und das gibt mir am meisten Mut!

Im März hast du im tennisweb.at-Interview davon gesprochen, dass es eine Vorgabe für dich gibt: Top 350 am Ende des Jahres 2004. Steht die noch?
Jaja, natürlich, das war abgesprochen mit Thomas Weindorfer. Man sieht ja, dass das Ziel gut gesteckt war, realistisch.

Naja, du müsstest deine aktuellen Punkte - also noch ohne Zilina - innerhalb von knapp drei Monaten verdoppeln. Geht das wirklich? Und wäre dazu nicht der Umstieg auf Challenger-Ebene nötig?
Nicht unbedingt. Ich bin bei den meisten Futures jetzt gesetzt, das heißt, dass Viertel- oder Semifinale sicher drin sein müssen. Die nötigen 90 Punkte sind realistisch bis Jahresende, ich bin auf einem guten Kurs. Ich hab bis März ja nur sieben Punkte zu verteidigen!

Rund um 350 stehen derzeit Zbynek Mlynarik und Marko Neunteibl - schon dein Niveau?
Das ist schon mein Niveau, ja, da bin ich sicher.

Themenwechsel zur Südstadt: Nach dem Grazer Challenger hat Patrick Schmölzer Abschied aus der Gruppe genommen, damit bist du der "letzte Mohikaner" - ist das nicht eine schwierige Situation für dich?
Der Patrick wird wohl aufhören mit dem professionellen Tennis, hab ich gehört. Auch wenn ich mich gut mit ihm verstanden hab: Für mich ist das kein Nachteil. Im Gegenteil. Als Profi muss ich das als Supersache für mich sehen. Ich hab einen Coach für mich allein, der Thomas Weindorfer kann sich jetzt noch intensiver um mich kümmern.

Aber es rücken doch die Jungen neu in die Gruppe nach, Oswald, Steiner, Sandbichler, Fischer - siehst du dich sozusagen als Teamkapitän?
Nein, das möchte ich nicht sein, ich will nicht Führungspersönlichkeit für die Jungen sein. Ich will meinen eigenen Weg gehen. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie das jetzt alles aufgebaut sein wird, aber ich will sicherlich nicht nur der Sparring-Partner für die Jungen sein. Ich gebe gern etwas her - aber dann will ich auch nehmen. Das heißt zum Beispiel, dass ich dann auch mit Peya oder Koubek trainieren will, wenn die in der Südstadt sind. Ich will nicht nur geben, ich muss auch auf mich selber schauen!

... und du willst, was man heraushört, noch intensiver mit Thomas Weindorfer arbeiten - im Idealfall eins zu eins.
Ich möchte nicht mit jemand anderem auf Turniere fahren, wenn ich zuhause mit dem Dorfer arbeite. Das hätte ja keinen Sinn.

Du scheinst sehr überzeugt von deinem Trainer zu sein - was zeichnet ihn aus?
Er ist sehr engagiert. Er hat einen Willen zu arbeiten, und er hat Erfahrung - als Coach und als früherer Profi. Er ist hart, ja, aber das muss man sein. In vielen Punkten ist er ein super Mann. Und ich weiß, er steht hundertprozentig hinter jedem Spieler, der es wirklich schaffen will.

Über Thomas Weindorfers Chef Stan Franker hast du im März gesagt, er sei sicher der richtige Mann, aber einfach zuwenig da. Hat sich an deiner Einschätzung etwas geändert?
Ich hab ihn seither ein bisschen besser kennen gelernt. Aber ich bin immer noch der gleichen Meinung. Ich glaube, er wäre auch selber gerne öfter da und würde mehr arbeiten, aber er hat eben diesen Vertrag mit dem ÖTV. Das ist schade. Er hat wahnsinnig viel Erfahrung, die kann er uns Spielern direkt weitergeben oder auch den Coaches.

Disziplin, Einsatz, Konsequenz, Härte, Arbeit - das sind wohl die wichtigsten Vorgaben für die Arbeit unter Franker und Weindorfer. Klingt nicht nach wahnsinnig viel Spaß.
Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob du bereit dazu bist, es zu probieren. Und ich bin's. Umsonst quälen will ich mich natürlich nicht, aber ich vertrau' den beiden. Und mein Weg gibt ihnen ja auch Recht!

Bei den anderen ist es nicht so gut ausgegangen - manche Ex-Schützlinge sagen, die Stimmung sei in der Südstadt allgemein schlecht.
Für mich hat die Stimmung im Team immer gepasst, wir haben uns untereinander alle gut verstanden. Wie die Stimmung in der Südstadt ist, weiß ich nicht. Das letzte Mal in der Südstadt war ich bei den Staatsmeisterschaften, das war vor zwei Monaten. Meine Südstadt ist der Thomas Weindorfer. Und da ist die Stimmung gut. Man darf halt berechtigte Kritik nicht mit schlechter Stimmung verwechseln. Kritik gehört dazu, wenn man was erreichen will, die muss man aushalten.

Interview:




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